Präambel: Deko oder Funktional?
I. Schwerttypen
II. Technische Begriffe
III. Stahl
IV. Vom Kampfe
V. Rechtliches
Da es hier einfach sehr viele Mißverständnisse und sehr viel Unwissen
gibt, stellen wir hier eine kleine Zusammenfassung zur Verfügung. Um zu
sehen ob ein Schwert auch nur in Frage kommt, "kampftauglich" genannt
werden zu dürfen, hilft folgende Checkliste:
+ es muss z.B. aus Karbonstahl oder Federstahl gefertigt sein; die Klinge muss
vergütet ("gehärtet") sein
- es darf auf KEINEN Fall aus rostfreiem Stahl bestehen (denn rostfreier Stahl
ist spröde und für lange Klingen ungeeignet)
+ es sollte geschmiedet oder auf eine andere geeignete Art gefertigt sein (fräsen/walzen/schleifen
geht auch, wenn der Stahl stimmt)
- es darf NICHT gestanzt sein
+ es muss eine voll durchgehende Angel haben ("Full Tang")
- es darf keinen "Rat Tail Tang" haben (das ist ein dünner Gewindestab
innerhalb des Griffes)
+ der Griff sollte beispielsweise aus Holz und Leder sein,
- und NICHT aus Plastik
Das sind jetzt nur einige der wichtigsten Schlüsselpunkte.
Die meisten Schwerter auf dem Markt bestehen aus rostfreiem Stahl und haben
eine Rattenschwanzangel, daher ist die Frage "scharf oder stumpf"
vom Start weg unwichtig.
Überhaupt wurde der Begriff "kampftauglich" leider im Marketing so ausgeschlachtet und mißbraucht, daß er inzwischen in der "Echtschwertszene" ziemlich verpönt ist. Stattdessen hat sich hier der Begriff "Funktional" (functional) eingebürgert.
Aber auch da gibt es noch viele Abstufungen. Generell gilt, je besser ein Schwert
ist, desto teurer. Im "Niedrigpreisbereich" (150 bis ca. 350 Euro)
muss man _immer_ irgendwelche Kompromisse machen: z.B. bei der Stabilität,
Verarbeitungsqualität, Design oder Gewicht. In dieser Preisklasse wird
z.B. hohe Stabilität durch hohes Gewicht erkauft, und umgekehrt.
Unsere primäre Quelle für europäische Schwerter, Gen2, stellt
zum Beispiel preisgünstige und robuste Schwerter in sehr guter Verarbeitung
her. Die Klingen sind ausStabilitätsgründen ca. 50% schwerer als historische
Klingen. Merke: wenn im Mittelalter ein Schwert im Kampf kaputtging, gab es
in der Regel keine Reklamationen. ;)
Anderthalbhänder
Auch Bastardschwert genannt. Langes Schwert, welches theoretisch mit einer oder
zwei Händen geführt werden kann. In der Praxis erweisen sich Schwerter mit einer
Gesamtlänge über 100cm als zu unhandlich für den rein einhändigen Gebrauch.
Viele Anderthalbhänder haben nur einen relativ kurzen Griff, weshalb die zweite
Hand am Knauf plaziert werden muss.
Bastardschwert
Siehe Anderthalbhänder. Manche Leute bezeichnen auch entsprechende Schwerter
dann als Anderthalbhänder, wenn der Griff eher kurz ist, und als Bastardschwerter,
wenn der Griff länger ausfällt.
Bidenhander
Siehe Zweihänder.
Breitschwert
Dieser Begriff (Broadsword) ist zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich interpretiert
worden. In Frage kommen Schwerter, deren Klinge am Heft besonders breit ist,
und solche, deren Klinge sich bis zur Spitze nicht verjüngt, also parallele
Kanten hat, oder nur eine geringe Verjüngung aufweist. Die Parierstange
fällt meist kurz aus. Das typische Wikingerschwert fällt auch in diese
Kategorie. Allerdings ist dieser Begriff eher umgangssprachlich als authentisch.
Claymore
Schottisches Zweihandschwert. Die Schreibweise gibt das Gälische "claidheamh
mòr" wieder, was wörtlich einfach "großes Schwert" bedeutet. Beim frühen
Claymore findet man oft eine lange, lederumwickelte Fehlschärfe. Das späte
Claymore hat meist eine nach vorne gewinkelte Parierstange. Siehe auch Zweihänder.
Dusägge
Eine Art Krummsäbel. Vornehmlich als Übungswaffe entwickelt.
Excalibur
Gerne werden reichverzierte, geradezu kitschige Langschwerter als "Excalibur"
verkauft. Tatsächlich dürfte das Schwert des keltischen Königs
in Form und Ausmaßen eher dem Kladibos geglichen haben.
Falcata
Hiebschwert der Kelt-Iberer, die seinerzeit den Römern das Leben schwergemacht
haben. Es zeichnet sich durch eine gekrümmte Klinge, vorderlastige Klinge
aus, mit der Hiebe mit großer Wucht ausgeführt werden können,
obwohl das Gewicht nicht besonders hoch war..
Flamberg, Flamberge
Zweihandschwert mit gewellter Klinge. Von gewissen Leuten (Rollenspieler) auch
fälschlich als Rondrakamm bezeichnet. War eigentlich nicht zum kämpfen gedacht,
sondern eher als Zeremonienschwert. Heutzutage treten selbst Einhandschwerter
mit gewellter Klinge auf; inwiefern diese historischen Kampf(!)schwertern entsprechen,
entzieht sich meiner Kenntnis.
Katzbalger
Typisches, vorderlastiges Landsknechtschwert mit kompakten Ausmaßen. Die
Söldner benötigten eine Nahkampfwaffe, die man auch in beengten Verhältnissen
einsetzen konnte. Der Name leitet sich angeblich da her, daß die Waffe
in ein Katzenfell (Balg) eingewickelt am Gürtel getragen wurde. Die Schwertspitze
war hierbei unbedeckt, angeblich so gewollt, damit man einen Gegner abstechen
konnte, ohne die Waffe zu ziehen (weil man bereits eine Hellebarde o.ä.
führte). Die alternative Interpretation bezieht sich auf die knäuelartigen
Kämpfe von Katzen.
Kladibos
Das keltische Wort für "Schwert", aus dem übrigens auch das lateinische
"Gladius" abgeleitet ist. Keltische Schwerter hatten oft eine blattförmige
Klinge, und bei edleren Ausführungen anthropomorphe Verzierungen an Heft
und Knauf. Ihre Größe fällt in die Kategorie der Kurzschwerter.
Blattförmige Eisen/Stahlklingen dienten jedoch zu rein repräsentativen
Zwecken, wie man heute weiß.
Kurzschwert
Diese Bezeichnung ist zwar nicht historisch, hat sich aber als praktikabel erwiesen.
Heute versteht man unter einem Kurzschwert alles, was zu groß für
einen Dolch und zu klein für ein Ritterschwert ist. Die typische Länge
liegt bei ca. 60cm.
Langes Schwert
Historische Bezeichnung für, nunja, relativ lange Schwerter. Dies ist genau
der Typ, der heute gerne als Anderthalbhänder bezeichnet wird, obwohl das
lange Schwert rein zweihändig geführt wurde. Allerdings auch nicht
zu verwechseln mit dem Bidenhander, der nochmal größer war und komplett
anders geführt wurde.
Langschwert
Auch diese Bezeichnung ist eher praktisch als historisch, und definiert für
gewöhnlich einhändige Schwerter, die ca. 100cm lang sind. Der Begriff
bezeichnet für verschiedene Epochen unterschiediche Waffen, z.B. die Spatha
der Spätantike oder das "Wikingerschwert" um die Jahrtausendwende.
Nicht zu verwechseln mit dem "Langen Schwert", welches zweihändig
geführt wurde.
Ritterschwert
Noch eine eher praktische als authentische Bezeichnung. Im Wesentlichen identisch
mit dem Langschwert, denn das Fußvolk konnte sich so hochwertige Waffen
gar nicht leisten.
Templerschwert
Vielerorts werden reichverzierte Schwerter als "Templer" angeboten. Tatsächlich
lebten die Tempelritter sehr asketisch, und trugen ausschließlich standardisierte
Ausrüstung. Diese wurde vom Orden in verschiedenen Größen ausgegeben,
und zeichnet sich durch Funktionalität und Schlichtheit aus. Eine verzierte
Waffe mag also höchstens als Zeremonienschwert benutzt worden sein.
Wikingerschwert
Die Wikinger bezeichneten ihre Schwerter freilich einfach als "sverð". Das
typische Schwert dieser Zeit ist ca 95cm lang, hat eine Klinge mit parallelen
Kanten, Hohlkehle, eine kurze Parierstange und einen dreieckigen oder wolkenförmigen
Knauf. Benutzt wurde es als reine Offensivwaffe, Angriffe wurden mit dem Schild
abgewehrt.
Zweihänder
Auch Bidenhander genannt. Ein Schwert, welches aufgrund seiner Größe nur mit
zwei Händen geführt werden kann. Die Länge liegt typischerweise bei 140-150cm,
das Gewicht bei etwa 5-7 Pfund. Der europäische Zweihänder fand im Kriegseinsatz
vor allem zur Bekämpfung von Stangenwaffen Verwendung, da diese die größte Bedrohung
der Reiterei darstellten.
Angel (engl. tang) oder Erl
Die Angel ist der von außen unsichtbare Fortsatz der Klinge, der bei der Parierstange
im Griff verschwindet. Eine gut konstruierte Angel ist essentiell für ein robustes
und haltbares Schwert. Ein billiges Schwert hat meist eine kurze und sich rapide
verjüngende Angel. Eine solche Waffe kann hohen Belastungen nicht lange standhalten,
die Klinge kann am Heft abbrechen.
Hochwertige Schwerter zeichnen sich durch eine starke, sich nur langsam verjüngende
Angel aus, die idealerweise bis zum Knauf durchgezogen sein sollte.
Balance- oder Schwerpunkt
Der Punkt der Waffe, an dem man sie auf einem (waagrecht gehaltenem) Finger
balancieren kann. Je näher der Balancepunkt an der Parierstange ist, desto besser
lässt das Schwert sich handhaben. Schlecht austarierte Schwerter sind plump,
belasten das Handgelenk und ermüden den Träger schnell.
Carbonstahl
Siehe Stahl.
Cross guard
Englische Bezeichnung für die gerade Parierstange, die damit ausgestatteten
Schwertern das typische kreuzförmige Aussehen verleiht.
Dorn
Andere Bezeichnung für die Angel.
Federstahl
Siehe auch unter Stahl. Federstahl zeichnet sich durch seine hohe Flexibilität
aus, weshalb er sich gut für Schwertklingen eignet. Eine gute Federstahlklinge
kann - mit einiger Kraft - um 90° gebogen werden, und springt dann wieder in
die ursprüngliche Form zurück.
Fehlschärfe
Der Bereich der Klinge direkt vor dem Heft, der nicht geschärft und bei bestimmten
Modellen mit Leder umwickelt ist. Der Zweck der Fehlschärfe ist, die Festigkeit
der Klinge insgesamt zu erhöhen. Die Fehlschärfe geht nahtlos in die Angel über.
Fuller
Siehe Hohlkehle.
Gefäß
bezeichnet die Gesamtheit von Parier, Griff und Knauf, kurzum alles, was an
die Klinge "drangebaut" ist.
Guard
Englische Bezeichnung für jede Art von Parierstange.
Hohlkehle
Fälschlicherweise auch oft Blutrinne genannt. Eine Schwertklinge sollte in den
meisten Fällen mit einer Hohlkehle versehen sein, normalerweise beginnend beim
Ende der Fehlschärfe. Die Hohlkehle ist aus zwei Gründen zweckdienlich: zum
einen verringert er das Gewicht der Klinge erheblich, zum anderen erhöht er
auch die Zähigkeit und Bruchfestigkeit der Waffe.
J 420, 440, 440C
Siehe Stahl.
Klinge / Kante
Eine beliebte Kernfrage lautet: sollte die Klinge stumpf oder scharf sein? Rein
rechtlich gibt es da übrigens keinen Unterschied - beide Arten gelten als "Hieb-
und Stoßwaffen"! Stattdessen sollten zwei Hauptaspekte in Betracht gezogen
werden:
- Sicherheit: wirklich scharf, im Sinne von messerscharf, sind sogenannte "Cutter".
Solche Schwerter sind zu scharf für den sicheren Kampf. Normalerweise versteht
man unter "scharf" bei Schwertern, daß die Kante unter 1mm stark ist.
Vorsicht! Eine stumpfe Klinge mag das Verletzungsrisiko zwar senken, aber schaltet
es beileibe nicht aus. Auch mit einer völlig stumpfen Waffe kann man Knochen
brechen und Köpfe abschlagen! Eine fundierte Ausbildung ist beim Kampf mit Stahlwaffen
in jedem Fall absolut unerlässlich!
- Haltbarkeit: die Regel ist einfach: je breiter die Schlagkante, desto weniger
Scharten fängt die Klinge, und desto länger bleibt sie intakt. Auf der Sollseite
steht das höhere Gewicht einer stumpfen Klinge.
--> Insgesamt gibt es drei Sorten von funktionalen Schwertern: scharf für
Schnittübungen, halbstumpf (ca. 1mm) für historische Fechtkunst, und
vollstumpf (>2mm) für Schaukampf.
Knauf
Als das "rückwärtige Ende" eines Schwertes dient der Knauf vor allem als Gegengewicht
zur Klinge, um die Waffe so gut wie möglich auszubalancieren. Beim Kauf sollte
man unbedingt darauf achten, wie der Knauf befestigt ist - es gibt unglaublich
viel Billigware, bei der der Knauf auf ein dünnes Gewinde aufgeschraubt ist!
Daher immer die "Drehprobe" machen: lässt sich der Knauf abschrauben und ein
dünnes Gewinde kommt ans Tageslicht, sollte man die Finger von der Ware
lassen. Zum einen ist die Bruchgefahr eines solchen Gewindes hoch, zum andern
haben solche Waffen meist auch minderwertige Angelkonstruktionen.
Ist der Knauf verschraubt, sollte das Gewinde möglichst kurz und dick sind;
idealerweise direkt aus der Angel herausgefräst. Historisch bzw. authentisch
ist jedoch der vernietete Knauf. Hier gibt es noch den Unterschied zwischen
Heiß- und Kaltvernietung, wobei ersteres deutlich besser ist.
Ort
Die Spitze der Klinge.
Parierstange
Die meisten Schwerter sind mit einer Parierstange oder ähnlichem ausgestattet.
Lässt man die gegnerische Klinge von der eigenen abgleiten, wird sie von der
Parierstange abgehalten, bevor sie die Hand verletzen kann. Daher sollte die
Parierstange mindestens so breit sein wie die Hand, wenn sie den Griff umschließt.
Beim Kauf sollte man darauf achten, daß die Parierstange fest sitzt und nichts
wackelt oder klappert.
Ricasso
Englisch (Italienisch?) für Fehlschärfe.
Rostfrei
Finger weg von rostfreien Schwertern! Für genauere Erläuterungen siehe unter
Stahl.
Taper (engl.)
Gibt an, wie deutlich die Klinge von oben betrachtet zur Spitze hin zuläuft.
Nicht zu verwechseln mit "Distal Taper" - dieser Begriff beschreibt
die von der Basis zur Spitze abnehmende Klingendicke. Klingen ohne Taper nennt
man gemeinhin Breitschwerter, Klingen ohne Distal Taper fallen eher in die Kategorie
Keule/Schiene/Stemmeisen etc.
Nach Oben
Die Qualität eines jeden Schwertes steht und fällt mit dem
Stahl der Klinge. Leider können viele Händler keine Auskunft über die Art des
verwendeten Stahles ihrer Schwerter geben. Es gibt jedoch einige Punkte, die
unbedingt zu beachten sind:
Härtung:
es gibt härtbare und nicht härtbare Stähle. Härtet man einen nicht härtbaren
Stahl, ruiniert man den Werkstoff. Ebenso muss ein härtbarer Stahl auch wirklich
gehärtet werden - sonst ist es, als würde man eine Pizza belegen, aber nicht
backen. Genauer gesagt müsste man von "Vergütung" sprechen,
denn nach dem Härten muß ein Stahl wieder "angelassen",
d.h. etwas weicher gemacht werden, um brauchbar zu sein.
Legierung:
Stahl besteht aus Eisen und einem geringen Anteil Kohlenstoff, sowie je nach
Legierung anderen Elementen, die der Klinge besondere Eigenschaften verleihen.
Die wichtigsten seien hier aufgelistet:
- Kohlenstoff: der C-Anteil macht einen Hauptteil der Stahldefinition aus. Unter
0.35% spricht man von "Baustahl", dieser ist zu weich und absolut
ungeeignet für Klingen. Interessant sind Stähle ab 0.50% C und darüber,
je nach Schwerttyp bis hin zu 0.95% C, was wiederum hart an der Grenze zu "zu
hart und spröde" ist. Bei einem C-Anteil von 2% spricht man wiederum
von Gußeisen; würde man daraus ein Schwert machen, würde dies
splittern und brechen wie Glas.
- Mangan: ist ebenfalls in fast jedem Stahl zu etwa rund 0.50% enthalten.
- Chrom: sieht hübsch aus und macht Stahl ab 13% Anteil rostfrei, aber leider
auch vollkommen ungeeignet für Klingenwaffen, denn Chrom macht den Stahl hart
und spröde. Ein klein wenig Chrom (maximal 1%) kann je nach Legierung auch nützlich
sein.
- Silizium: verleiht dem Stahl hervorragende Flexibilität und Stärke. Ein
wenig Silizium (0.35%) ist in jedem Qualitätsstahl, aber besondere Eigenschaften
entfaltet es bei einem Anteil von 1.0 - 2.0%.
- Schwefel und Phosphor beeinflussen den Stahl nachteilig, daher wird ihr Anteil
so gering wie irgend möglich gehalten.
- weitere Elemente wie Nickel, Molybdän, Vanadium etc. finden ebenfalls
Verwendung, sind aber im Schwerter-Bereich eher exotisch. Manche Schmiede suchen
sich solche höherlegierten Stähle wohl vor allem "zum Angeben"
aus.
Nomenklatur:
Die deutsche Stahlnomenklatur ist einfach und transparent. Der Werkstoff wird
bezeichnet durch Art und Anteil der legierten Elemente. So bezeichnet C70 einen
Stahl mit 0.7% Kohlenstoffanteil. Die Zahl nach eventuellen legierten Elementen
beschreibt nicht den prozentualen , sondern den proportionalen Anteil (also
etwa 3=wenig, 7=viel). Ausländische Werkstoffe haben leider oft kryptischere
Bezeichnungen. Die amerikanische Methode z.B. orientiert sich eher am Verwendungszweck
als an der Zusammensetzung, sodaß mitunter drei verschiedene Stähöe
dieselbe Bezeichnung haben können.
Stähle, denen man öfter begegnen kann, sind unter anderem:
- C60: das Arbeitstier unter den Klingenstählen, billig und nahezu unverwüstlich.
Entspricht dem amerikanischen 1060. Mit einem gut gehärteten C60 kann man eigentlich
nichts falsch machen.
- 55Si7: leider sehr wenig gebräuchlich, denn dieser Federstahl ist ein hervorragendes,
flexibles und starkes Material. Der einzige Nachteil ist, daß er aufgrund
des relativ geringen C-Gehaltes nur bis ca. 53 HRC gehärtet werden kann,
ohne bruchgefährdet zu werden.
- J420 etc.: hier gilt ein absolutes Finger weg! Schwerter aus diesem Material
sind hübsch anzusehen, aber absolut kampfuntauglich. So wie man keine Tassen
aus Knetgummi macht, schmiedet man keine Schwerter aus J420.
Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
Viele Anbieter von Schwertern führen den Kunden bewusst aufs Glatteis. Manchmal
wird zwar eine Werkstoffbezeichnung angegeben, aber
nicht dessen Eigenschaften, ein andermal fehlt die Stahlspezifikation ganz.
Am schlimmsten aber sind die, die mit Schlagwörtern wie "High Carbon Spring
Steel", "Live Steel" oder dergleichen werben, ohne genauere Details zu nennen.
Das hört sich vielleicht toll an, sagt aber gar nichts über die tatsächliche
Qualität aus. Zum Teil kommen solche Waffen aus Drittweltländern, wo sie aus
gebrauchten (!) ausgemusterten Lastwagen-Blattfedern gefertigt werden. Immerhin
ist die allgemeine Qualität des Marktangebots in den letzten Jahren soweit
gestiegen, daß das heutzutage eher die Ausnahme ist.
Merke: Federstahl kann eine tolle Sache sein, der Begriff allein ist aber noch
lange kein Garant für eine gute Klinge.
Andere Kuriosa: Zuweilen wird sogar "Stainless Steel" als Qualitätsmerkmal
hingestellt, was nun wirklich total verquer ist. Andere Hersteller wiederum
geben als Material schlicht "Stahl" an -- da könnten sie es sich
auch gleich schenken; daß die Schwerter nicht aus Zinn sind, hätten
wir uns fast schon selber gedacht. ;)
Rockwell
Maßeinheit für den Härtegrad von Stahl, wird meist Synonym für die Rockwell-C-Skala
benutzt (Maßeinheit HRC). Bei einem Schwert ist wichtig, daß der Stahl
weder zu hart noch zu weich ist. Zu weicher Stahl verbiegt sich und bekommt
schnell Dellen und Scharten, wenn man ihn biegt springt er nicht in die Ausgansposition
zurück. Mit zunehmender Härte ist der Stahl auch spröder und bricht leichter.
Scharfe Klingen sollten dennoch eher höhere Härtegrade aufweisen.
Handelsüblich und bewährt sind bei Schaukampfschwertern Rockwellhärten von 50-54,
aber auch alles bis 56 kann gute Qualität sein. Klingen unter 50 Rockwell gelten
als zu weich. Scharfe Schwerter mit schlanken Klingen benötigen högere
Härtegrade, bis knapp unter 60 Rockwell (was aber wirklich die Obergrenze
ist).
Nach Oben
Blocken
Hierunter versteht man gemeinhin das Abfangen eines Schlages, z.B. mit einem
Schild oder einem Schwert. Mit dem Schwert zu blocken hat den Nachteil, daß
sehr große Kräfte auf extrem kleinem Raum wirken, nämlich dort, wo die zwei
Klingen aufeinandertreffen. Je schmaler die Schlagkanten, desto höher die relativen
(=flächenbezogenen) Kräfte, und daher auch die Gefahr der Schartenbildung. Scharfe
Schwerter werden daher unweigerlich mehr und tiefere Scharten davontragen als
stumpfe aus dem gleichen Material.
Duell
Form des Freistilkampfes (siehe dort), bei der "auf den Körper gegangen" wird
(im Unterschied zu "auf die Klinge").
Freistilkampf
Nicht einstudierter Fechtkampf - das Gegenteil von Schaukampf also. man unterscheidet
zwischen Teilkontakt- und Vollkontaktkampf. Beim Teilkontaktkampf muß jeder
Kämpfer seine Waffe immer so unter Kontrolle haben, daß er sie zu jeder Zeit
abstoppen kann - nämlich dann, wenn er die Abwehr seines Gegners überwunden
hat. Beim Vollkontaktkampf hingegen werden die Schläge voll ausgeführt, hierzu
sollten alle Kämpfer in voller Rüstung antreten.
Mensur
Der Abstand zwischen den Kämpfenden. Unterschieden wird zwischen drei Stufen.
Bei der weiten Mensur können sich nur die Klingen kreuzen, ohne daß
einer der Kämpfer getroffen werden kann. Diese Position eignet sich für
ungeübte Schaukämpfer.
Bei der mittleren Mensur kann der gegnerische Arm getroffen werden, nicht aber
der Körper. Diese Position ist für gewöhnliche Schaukämpfe
mit geübten Partnern geeignet.
Die enge Mensur ermöglicht Treffer am ganzen Körper. Diese Position
sollten nur sehr geübte Kämpfer wählen.
Panzerung
Je nachdem, ob man Teil- oder Vollkontaktkampf bevorzugt, sollte man sich auch
über seine Panzerung Gedanken machen. Absolut unerlässlich sind in jedem Fall
robuste Kampfhandschuhe! Die Finger sind immer exponiert und werden früher oder
später garantiert versehentlich getroffen.
Davon abgesehen, kann man beim Teilkontaktkampf mit guten und verlässlichen
Partnern getrost auf weitere Panzerung verzichten. Wer jedoch Wert auf stilechte
Schutzkleidung legt, findet unter dem Eintrag "Rüstung" die wichtigsten Grundtypen
beschrieben.
Parade
siehe Blocken oder Versetzen.
Rückhand
Im Gegensatz zur Vorhand befindet sich bei einem Rückhandschlag der Daumen der
Führungshand auf der der Klinge abgewandten Seite, also auf der Seite des Knaufs.
Rückhandschläge können hart und in schneller Folge ausgeführt werden, und eignen
sich vor allem, um den Gegner zurückzudrängen.
Rüstung
Im Wesentlichen gibt es zwei Sorten von Rüstung, nämlich Leder und Metall. An
Metallrüstungen sind drei Haupttypen zu nennen, nämlich Kette, Platte und Schuppe.
Schuppenpanzer sind sehr aufwendig herzustellen und werden daher selten angetroffen,
Platte passt meistens schlecht und ist gerne unverschämt teuer. Daher sind Kettenhemden
verschiedener Machart am Häufigsten anzutreffen, und werden auch im Folgenden
angesprochen.
Hier soll mit den häufigsten Vor- und Fehlurteilen über verschiedene Rüstungstypen
aufgeräumt werden:
1. "Leder ist billiger als Metall": gutes, festes Leder ist teuer, wenn man
nicht gerade Beziehungen zum Gerber hat. Tatsächlich sind die Materialkosten
für einen Lederpanzer und ein gleichwertiges Kettenhemd in etwa gleich.
2. "Leder ist leichter als Metall": wenn man sich mit einem dekorativen Wams
zufrieden gibt, stimmt das. Eine echte Rüstung jedoch, die ebensogut schützt
wie ein Kettenpanzer, ist auch ebenso schwer.
3. "Kette schützt schlecht gegen Stiche": bei guter Qualität der Ringe besteht
auch bei Stichangriffen keine Gefahr. Entscheidend ist, daß die Ringe nicht
zu groß sind - 10mm Innendurchmesser sind etwas grob, 8mm sind gut, 6mm aber
sind besser. Noch kleinere Durchmesser sind kaum erhältlich. Je kleiner die
Ringe, desto mehr werden auch benötigt, und desto teurer wird die Rüstung,
und desto dünner wird auch das Material.
4. "Ein Kettenhemd stricken ist eine elende Plackerei": also, das ist tatsächlich
wahr.
Die Entscheidung zwischen Leder und Metall ist also in erster Linie eine Geschmacksfrage.
Fertigt man die Rüstung selber an, wird man für Leder höhere Kunstfertigkeit
benötigen, für Kette aber schier endlose Geduld und Ausdauer. Dafür sind beim
Kettenpanzer aber auch anfallende Reparaturen günstiger und relativ unkompliziert.
Schaukampf
Waffengang, der Schlag für Schlag genau einstudiert wurde. Die gängige Konvention
besagt, daß nur stumpfe Waffen mit mindestens 2mm Schlagkante und abgerundeter
Spitze als Schaukampfwaffe bzw. -tauglich bezeichnet werden dürfen.
Turnierkampf
Turniere werden für gewöhnlich im K.O.-System durchgeführt, d.h.
der Sieger eines Duells kommt in die nächste Runde. Um Verletzungen zu
vermeiden, sind nur stumpfe Schwerter mit abgerundeter Spitze zugelassen; das
Tragen von Helm und Körperrüstung ist oft Pflicht. Schiedsrichter
zählen die Treffer, wobei je nach Reglement Teil- oder Vollkontakttreffer
gelten.
Versetzen
Die "historische" Variante zum Blocken. Darunter versteht man im Wesentlichen
verschiedene Methoden, einen gegnerischen Angriff unschädlich zu machen,
z.B. indem man den Schlag am eigenen Schwert "abtropfen" lässt.
Das ist wesentlich klingenschonender als Blocken und deshalb beim Kampf mit
scharfen Schwertern bei weitem vorzuziehen.
Vorhand
Die typische, natürliche Art, ein Schwert zu führen. Der Daumen der Führungshand
befindet sich direkt unterhalb der Parierstange, die Klinge zeigt nach oben.
Die Vorhand verleiht größere Kontrolle über die Klinge als die Rückhand.
Nach Oben
Auch nach dem neuen deutschen Waffengesetz gelten Schwerter nach wie vor als Hieb- und Stoßwaffen. Dazu gibt es folgendes zu beachten (alle Angaben ohne Gewähr):
- Hieb- und Stoßwaffen sind ERLAUBNISFREI. Jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, darf Umgang mit ihnen haben. Umgang bedeutet quasi alles: Kauf, Verkauf, Besitz, Tragen, Führen, Kämpfen, einfach die "tatsächliche Gewalt über sie ausüben".
- Daraus ergibt sich, daß man für Hieb- und Stoßwaffen KEINEN Waffenschein braucht, auch keine Waffenbesitzkarte, oder was sonst so an Gerüchten kursiert. So etwas ist im Gesetz nicht vorgesehen, es gibt also keine WBK für Schwerter. Man kann es gar nicht deutlich genug sagen.
- Allerdings MUSS man in jedem Fall einen Personalausweis mit sich führen, wenn man eine Hieb- und Stoßwaffe dabei hat.
Führen in der Öffentlichkeit:
Fakt ist, WENN ICH DAS GESETZ RICHTIG VERSTEHE!, daß man erlaubnisfreie
Waffen (wie Schwerter) grundsätzlich in der Öffentlichkeit führen
DARF. Wie gesagt man muß nur seinen Perso dabeihaben.
ABER! Das gilt NICHT für öffentliche Veranstaltungen, wie Märkte,
Konzerte, etc. Blöderweise gilt das auch für Händler, die auf
Mittelaltermärkten ihre Schwerter feilhalten wollen. Da muß schon
zuvor der Veranstalter eine Ausnahmegenehmigung erwirken. Wohlgemerkt, für
Waffen. Diese kann unter bestimmten Umständen erteilt werden (die Chancen
bei MA-Märkten stehen z.B. ganz gut, für Open-Air-Konzerte wesentlich
schlechter).
- Stichwort "Fechtschein":
das gibts, ist aber nichts amtliches, sondern auf eine private Initiative von
Schaukämpfern zurückzuführen. Den sog. "A-Schein" kann
man erwerben, indem man vor einem Prüfer und zwei Zeugen sein Können
mit der Waffe demonstriert.
Sinn und Zweck der Geschichte ist, daß zwei Schaukämpfer, die sich
gegenseitig noch nicht kennen, trotzdem guten Gewissens gegeneinander antreten
können, wenn sich jeder darauf verlassen kann, daß der andere auch
kämpfen kann. Dazu ist der A-Schein gedacht und zu nichts anderem.
- Schaukampfwaffen:
Diese fallen rechtlich in eine Art Grauzone. Da sie stumpf sind, gelten sie
nach einer Vorschrift zum alten Waffengesetz nicht als Waffen, sondern wahlweise
als Theaterrequisiten oder Sportgeräte, es sei denn der Amtsschimmel stellt
sich quer.
Inzwischen ist das aber Schall und Rauch, da zum NEUEN Waffengesetz noch keine
Verwaltungsvorschriften existieren. Man kann aber wohl damit rechnen, daß
die alte Regelung bestehen bleibt.
- Interessantes Detail am Rande: Morgensterne (mit Ketten) waren nach dem alten Waffengesetz noch verbotene Gegenstände. Jetzt sind sie dank einer Umformulierung, die speziell auf Nunchakus abzielt, genauso erlaubnisfrei wie Schwerter.